
In seinem Roman blickt Bjarte Breiteig auf den Osloer Stadtteil Tøyen und dessen Wandel von einem übel beleumundeten, heruntergekommenen und von Armut und sozialer Unsicherheit geprägten Stadtviertels zu einem Stadtteil voller Hoffnung und Gemeinschaftssinn, lebendig und multikulturell.
Der Roman ist nicht nur das Porträt einer Stadt im Wandel, sondern er wirft auch universelle Fragen wie Zugehörigkeit, Identität, Vorurteile und soziales Engagement auf.
Die Hauptpersonen im Buch sind Mona, Jostein und Kalle, eine ganz normale norwegische Mittelstandsfamilie. Mona arbeitet als Lektorin und Journalistin und verdient den Lebensunterhalt für die Drei. Jostein hat sein Philosophiestudium geschmissen und das Studiendarlehen mühsam mit Monas Hilfe abgestottert. Sie sind bewusst nach Tøyen gezogen. Zwar sind die Mieten deutlich günstiger als in den Vierteln, wo ihre früheren Freunde wohnen, aber sie müssen sich auch mit dem wirtschaftlichen Verfall, mit Drogenkonsum und multikulturellen Spannungen auseinandersetzen.
Jostein, der ein begnadeter Kommunikator ist, regt an, eine Bürgerinitiative zu gründen und eine Begegnungsstätte einzurichten. Die Initiative ist gemeinsame Sache der kleinen Familie und wird die Keimzelle zur Veränderung. Der Weg ist mühsam. Immer wieder gibt es Hindernisse, immer wieder Versprechungen von der Kommunalverwaltung, die sich als hohle Phrasen erweisen.
Doch sie geben nicht auf. Kalle, das Kind, steht für die Hoffnung auf eine bessere Zukunft.
Der Plot wird aus der Retrospektive erzählt. Zu Beginn hatte Mona Jostein eröffnet, dass sie eine Trennung auf Probe möchte. Den Zeitpunkt hat sie nicht sehr geschickt gewählt, denn Jostein muss am nächsten Tag nach Kopenhagen reisen, um einen Vortrag zu halten. Er kehrt am Abend nicht zurück und bald wird klar, dass er Monas Anrufe und Sprachnachrichten wegdrückt. Während sie dennoch auf ihn wartet, zieht die Geschichte von Tøyen facettenreich vor ihrem inneren Auge vorbei. Der Schluss ist überraschend….
Der Roman zeigt eindrucksvoll die Veränderung eines problematischen Stadtteils in ein gefragtes Wohnviertel durch gemeinschaftliche Initiativen und die Übernahme von Verantwortung. Doch ein neues Problem entsteht: Durch die strukturellen Verbesserungen entsteht eine erhöhte Nachfrage nach den sanierten Wohnungen. Die Mietpreise steigen und vertreiben gerade die Menschen, die sich für die Veränderung engagiert haben.
Breiteig hat den Roman so angelegt, dass er nicht auf Oslo beschränkt ist, sondern sich überall in unserer globalisierten Gesellschaft abspielen könnte.
Ein eindrucksvoller Roman, geschrieben in einem klaren und eindringlichen Stil, der komplexe Themen wie soziale Ungerechtigkeit, Migration, Zugehörigkeit und Ausgrenzung auf eine individuelle Ebene herunterbricht und dadurch zugänglich macht.
Ein bemerkenswerter Roman, überzeugend in seinem Appell an die Menschlichkeit und den Glauben an die Kraft der Gemeinschaft.