Diebstahl

Abdulrazak Gurnah ist eine der bedeutendsten literarischen Stimmen Großbritanniens. 2021 erhielt er den Literaturnobelpreis. Zu dem Zeitpunkt war kein einziger seiner Romane ins Deutsche übersetzt. Inzwischen ist sein Werk in deutscher Sprache beim Penguin Verlag erschienen. „Diebstahl“, übersetzt von Eva Bonné, ist der erste Roman nach dem Literaturnobelpreis. In seinen Romanen kehrt er immer wieder in das Land seiner Geburt zurück. So spielt auch dieser Roman im heutigen Tansania, in Daressalam.

Drei junge Menschen und ihre Geschichte stehen im Focus:

Karim, ein selbstbewusster junger Mann, der voller Ehrgeiz und großen Ideen nach seinem Studium zu seiner Mutter Raya und dem Stiefvater Haji zurückkehrt.

Dort findet er Badar, einen Jungen aus einfachen Verhältnissen, der in seinem Elternhaus als Diener arbeitet. Er wird dessen Beschützer und Förderer. Nach einem nicht gerechtfertigten Diebstahlsvorwurf, der Badar seinen Arbeitsplatz bei Raya und Haji kostet, verschafft er ihm eine Anstellung in einem Hotel auf Sansibar.

Die dritte Person ist Fauzia, eine ernsthafte, hochintelligente junge Frau, die Lehramt studiert, sich in Karim verliebt und ihn heiratet, auch, um dem sie sehr bevormundenden Elternhaus zu entkommen.

Die drei Protagonisten sind freundschaftlich verbunden.

Karim beginnt eine sehr erfolgreiche berufliche Karriere, doch mit der Geburt der Tochter Nasra beginnt die Ehe von Karim und Fauzia zu kriseln. Eigentlich wollte er seine Vaterrolle viel besser erfüllen, als seine eigene Mutter die ihre, als er klein war. Aber es gelingt ihm nicht. Vielmehr lässt er sich von einer attraktiven Touristin verführen. Fauzia trennt sich von ihm und findet Jahre später mit Badar ein neues Lebensglück.

„Diebstahl“ ist ein starker, vielschichtiger Roman. Es geht um Fragen von Tradition und Modern, um postkoloniale Strukturen in Bezug auf Alltag und Identität, um gesellschaftlichen Wandel, um den Einfluss des Tourismus und nicht zuletzt um Loyalität in menschlichen Beziehungen.

Persönliches Schicksal und allgemeine Geschichte werden meisterhaft verbunden. Erzählt wird in sehr geradliniger, ruhiger, genau beobachtender Weise, ohne psychologisierende Innensicht.

Ein Buch, das nur zu empfehlen ist!

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