Ich werde allein sein und ohne Party

Die promovierte Philosophin Sara Barquinero gilt als eine der wichtigsten neuen Stimmen in der spanischen Literatur. Trotzdem ist der Roman keine philosophische Abhandlung sondern eine Story, die einen mehr und mehr in Bann zieht.

Die namenlose Ich-Erzählerin findet in ihrer Heimatstadt Zaragoza auf dem Rückweg von der Beerdigung einer Tante auf einem Müllcontainer ein Tagebuch aus dem Jahr 1990. Sie nimmt es mit und beginnt zu lesen.

Die 30-jährige Yna beschreibt darin ihre glühende Liebe zu einem Alejandro, auf dessen Anruf sie immer verzweifelter, jedoch vergeblich wartet. Ein Tagebuch des Liebeskummers, in dem sich der Satz findet, der dem Roman den Titel gab.

Ähnlich besessen wie Yna von der Liebe, beginnt die Erzählerin diesen Mann zu suchen, der vor 30 Jahren nichts mehr von sich hören ließ. Sie wirft ihr Leben total über den Haufen: beendet ihre Beziehung, kündigt ihren Job und reist kreuz und quer durch Spanien auf der Suche nach dem Phantom Alejandro.

Diese Suche, was sie dabei erlebt und findet, ihre kurzen, unverbindlichen Liebesbeziehungen auf diesem Road Trip, das wird chronologisch erzählt.

Die Chronologie wird aufgebrochen durch Rückblenden, Erinnerungen an die eigene Kindheit und Jugend, an den nie aufgearbeiteten Schmerz um den Vater, der die Familie verließ. Und immer deutlicher wird, dass sie eigentlich auf der Suche nach sich selbst ist, dass sie in einer Lebenskrise steckt, die die eigentliche Triebfeder für diese obsessive Suche nach Alejandro ist.

Die Sprache ist klar und schnörkellos. Die vielen, gekonnten Dialoge machen das Lesen angenehm und so ist man gespannt auf der Suche dabei. Man ist auch dabei, wenn die Erzählerin über Liebe und Einsamkeit reflektiert. Ist sie Schicksal? Oder Zufall? Ist es die Unverbindlichkeit in den modernen Beziehungen, die das Einsamkeitsgefühl fördert? Existentielle Fragen, die jeden angehen.

Das Buch ist illustriert durch einzelne Tagebuchseiten, denn dieses Buch gibt es wirklich. Die Autorin bekam es von einer Freundin und wurde dadurch zu diesem gelungenen Debütroman angeregt. Sara Barquinero gilt es zu entdecken! Es lohnt sich!

Aus dem Spanischen übersetzt von Mareike Philipp.

Ein Dankeschön dem Wagenbachverlag für das Rezensionsexemplar!

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